"Ein spannendes Experiment" nennt es Christoph Bartneck, Professor für Industriedesign an der Technischen Uni Eindhoven, wenn im nächsten Jahr 20 Kinder der Internationalen Schule ROILA erlernen, um ihre Lego-Roboter damit zu steuern. Neigen die Holländer neuerdings zum tiefstapeln? Professor Bartneck ist immerhin Erfinder der neuen Kunstsprache, die eine reibungslose und verzögerungsfreie Kommunikation mit Androiden, den künftigen Helfern des Alltags möglich machen wird. Denn es ist doch geradzu revolutionär in Zukunft seinem Hausroboter (seinem Altenpfleger?) nicht nur einfache Befehle zu erteilen, sondern sich mit ihm zu verständigen, zu unterhalten, ihn am eigenen Leben teilhaben zu lassen. Oder warum ist der meist zitierte Satz der Kunstsprache Pito loki wikute, was so viel wie "ich mögen Frucht" bedeutet? Ob der Androide dann pito bimuw, "ich nicht!" antwortet – denn welcher Roboter mag schon Früchte – geht aus den rar gesäten Interviews nicht hervor. Nur soviel: Robot Interaction Language, kurz ROILA, ist eine eindeutige, einfache Sprache, die logisch und akustisch leicht zu verstehen ist und ohne komplizierte Grammatik auskommt; kein Plural, keine Fälle, keine Artikel, erklärt Professor Bartneck im Gespräch mit GEO.
Ob wir diese neue Kunstsprache wirklich brauchen ist fraglich, aber ich war ja auch in meiner Diplomarbeit 1996 noch am Zweifeln, ob das Internet wirklich den Alltag unterstützen könnte. Die Spracheingabe bei der Google-App auf dem iPhone funktioniert auch jetzt schon ohne ROILA hervorragend: ob ich nun Otto Versand, Jungheinrich oder gar PriceWaterhouseCoopers ins Telefon nuschele – ich werde immer richtig verstanden. Einzig bei der Suche nach dem Hundeschmaus ›Chappi‹ werden mir kleine Krokodile gezeigt und statt ›Freixenet‹ werden mir Webseiten für Fischernetze empfohlen. Problematisch könnte es nur werden, wenn ich zur Feier anlässlich meines Renteneintritts 2039, ohne ROILA erlernt zu haben, dem Hausroboter befehle, Schokolade und Eis zu besorgen und er mir dann Duplo-Legosteine, Bounty-Küchentücher und Langnese-Honig mitbringt, weil die Markennamen mehrfach belegt sind.
Sollte sich ROILA in Zukunft durchsetzten, denken Sie beim Erstellen Ihrer künftigen Markennamen und Claims unbedingt daran, wie diese wohl in ROILA heißen und was sie konnotieren. ›Pito loki supa‹ klingt zumindest artverwandt wie ›Ich liebe es‹. ›Babot kiwola‹ hingegen wird meines Erachtens der vermeintlichen Freude am Fahren eines BMW weniger gerecht und in einen Flieger, den mir ein Roboter mit den Worten ›Fopaf buse nawe kefoji‹ anpreist, steige ich nur mit Unbehagen ein.
Ich bleibe dran und wünsche den Holländern erst einmal viel Erfolg mit ihrem sehr interessanten und visionären Experiment. Mögen sich Kind und Maschine bestens verstehen. Falls Sie sich schon fit für die Zukunft machen wollen, finden Sie hier alle aktuellen Vokabeln.
