„Design gilt als Sammelbegriff für alle bewusst gestalteten Eigenschaften eines Objektes, einer Dienstleistung, einer Marke“, heißt es bei Wikipedia. Und weiter: „Während der angelsächsische Begriff auch technisch-konstruktive Anteile der Gestaltung umfasst, zielt er im deutschen Sprachgebrauch eher auf formal/künstlerische Aspekte ab“.
Renommierte Designpreise gibt es allein in Deutschland drei. Neben dem red dot noch den IF Award und den Designpreis Deutschland. Letzteren gibt es bereits seit 1969. Er wird vom Wirtschaftsministerium vergeben und der ›Rat für Formgebung‹ entscheidet, wer für den Preis nominiert und prämiert wird. Die Unternehmen können sich also nicht, wie beispielsweise beim red dot, bewerben.
Aber auch ein Designpreis bringt kein Preisgeld mit sich, sondern ist mit Zahlungen verbunden. Und die steigen im Falle einer red dot Auszeichnung noch um einiges. Denn nicht nur die Bewerbung für den roten Punkt schlägt derzeit mit 90 bis zu 300 € pro Exponat zu Buche, nein, als Preisträger müssen weitere ca. 1000 € für den Jahrbucheintrag gezahlt werden. Es gilt also: Je mehr Preisträger, desto mehr Einnahmen. Da liegt die Verführung nahe, ordentlich rote Punkte zu vergeben.
Ein Designpreis hat sich als echtes Marketinginstrument bewährt. Allein Apple hat in den letzten vier Jahren 36 red dots errungen. Prämiertes Design als Rendite-Maximierer, nur so ist zu erklären, dass die Anzahl der zahlenden Bewerber allein für die Kategorie Produktdesign in diesem Jahr um über 30% gestiegen ist.
Und so kommt es dann, dass immer neue Kategorien und Preise vergeben werden. Mittlerweile gibt es sogar einen eigenen Preis für Wohnwagen – den caravaning design award.
Zeigte sich im letzten Jahr bei den red dot Gewinnern noch, dass Nachhaltigkeit, ich nannte es grünes Design, die Nase vor hatte, so erkenne ich auf Anhieb in 2010 keine Gemeinsamkeiten, außer vielleicht Kurioses oder Mut zur Namensgebung.
Erstmals in der Geschichte des renommierten Designpreises red dot wurde in der Kategorie ›Sport und Spiele‹, gleich unter dem Babyspielzeug gelistet, ein batteriebetriebenes Gerät namens „Better than chocolate“ ausgezeichnet, für mehr „Abwechslung“, ebenfalls lila, der Handschmeichler Zini Deux.
Dass mittlerweile auch Geburtszangen und Einwegurinale den red dot erhalten, finde ich mehr als fraglich. So sollte doch beim Design die Bedienbarkeit im Vordergrund stehen, gerade bei Gebrauchsgegenständen, und erst dann die Optik folgen – „Form follows Function“. Schön sich vorzustellen, wie die Jury die Funktionsfähigkeit dieser Utensilien getestet hat…
Als Designagentur freut es uns natürlich, dass immer mehr Produkte aus dem B2B-Bereich prämiert werden. So wurde Hilti mit 11 Preisen für seine Sägen, Hämmer & Co. als design team of the year ausgezeichnet – nach Tupperware im letzten Jahr.
Sind wir also gespannt, was im nächsten Jahr so alles prämiert wird. Wie wäre es mal mit Zebrastreifen, Verkehrsschildern, Toilettenpapier oder Spültabs.
