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»Wie wirklich ist die Wirklichkeit?«, fragt der Kommunikationswissenschaftler und Psychoanalytiker Paul Watzlawick in seinem gleichnamigen Buch. Er kommt zu dem Schluss, dass Wirklichkeit ein kollektives Konstrukt und daher leicht zu beeinflussen ist. Auch Marken üben einen großen Einfluss auf unsere Wirklichkeitsvorstellung aus. Für uns Grund genug, die Welt der Marken zu hinterfragen und zu kommentieren. Unser ›brandview blog‹ gibt allen Lesern und Marken-Professionals die Möglichkeit, die Artikel zu kommentieren und zu diskutieren – wir freuen uns über Ihren Beitrag.

Ihr brandview-team
2. Juli 2010

» Ohh! – ich habe mich verschrieben!

Ist es eine Null oder ein O? Wer das ESTA-Formular vor sich hat, der elektronische Visa-Antrag, der vor einer Reise in die USA ausgefüllt werden muss, hat eine fünfzigprozentige Chance, sich bei dieser Frage richtig zu entscheiden. Denn die verwendete Schrift der Seriennummer im Pass macht eine Unterscheidung zwischen dem Buchstaben und der Zahl fast unmöglich. Und so kann es passieren, dass der, der eine Null für ein O hält, ins nächste Flugzeug nach Hause gesetzt wird.

Da man beim zuständigen Innenministerium offenbar selbst nicht so ganz glauben mag, dass die Null daran zu erkennen sei, etwas schmaler als das O zu sein, gibt es ein PDF-Dokument, das sich wie eine Bedienungsanleitung für den deutschen Reisepass liest. Da heißt es zum Beispiel: „Zur Vermeidung sinntragender Wörter…wurde auf die Verwendung der Vokale (A, E, I, O, U) …verzichtet“. Ah, des Rätsels Lösung, doch wer weiß das schon??

Um das Problem zu beheben, wahrscheinlich eher, um dem Ansturm der Nachfragen wieder Herr zu werden, habe man die Vereinigten Staaten gebeten, entweder die Eingabe des Buchstaben O zu blocken oder einen entsprechenden Hinweis auf der Internetseite für den ESTA-Antrag aufzunehmen. Man will also, anstatt eine eindeutige Schriftart zu verwenden, wie es übrigens nahezu alle anderen Länder auch tun, den schwarzen Peter einfach abgeben?!

Eine recht simple Lösung des Problems wäre, die jetzt verwendete OCR-B Schrift in ihren Vorreiter OCR-A zu ändern. Diese Schriftart ist garantiert von Mensch und Maschine lesbar. Vielleicht wäre das Ministerium dann sogar hip, denn ihr einst in Europa eher unbeliebtes Erscheinungsbild ist von Designern und Gestaltern wieder entdeckt worden, so wird die OCR-A zum Beispiel gerne auf Buchtiteln und in Musikproduktionen verwendet.

Kultstatus wird sie wohl nicht erlangen, aber sie ist maschinenlesbar und unmissverständlich: die FE-Schrift, verwendet für deutsche Kfz-Kennzeichen. Sie hat die in den 30er Jahren eingeführte DIN 1451 erfolgreich abgelöst. Vorangetrieben wurde die Entwicklung der FE, das ist übrigens die Abkürzung für ›fälschungserschwert‹, Ende der 70er Jahre, um unter dem Eindruck der RAF-Aktivitäten den Kennzeichenmissbrauch zu erschweren. Warum die FE dennoch erst gut 20 Jahre später zum Standard wurde, wer weiß?

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