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»Wie wirklich ist die Wirklichkeit?«, fragt der Kommunikationswissenschaftler und Psychoanalytiker Paul Watzlawick in seinem gleichnamigen Buch. Er kommt zu dem Schluss, dass Wirklichkeit ein kollektives Konstrukt und daher leicht zu beeinflussen ist. Auch Marken üben einen großen Einfluss auf unsere Wirklichkeitsvorstellung aus. Für uns Grund genug, die Welt der Marken zu hinterfragen und zu kommentieren. Unser ›brandview blog‹ gibt allen Lesern und Marken-Professionals die Möglichkeit, die Artikel zu kommentieren und zu diskutieren – wir freuen uns über Ihren Beitrag.

Ihr brandview-team
16. Juli 2009

» Gast: „Ober! Zahlen!“ Ober: „Gast! Buchstaben!“

Hahaha – das ist ein Witz. Naja, zumindest soll es sich hierbei, wenn es nach der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Goethe-Institut geht, um typisch deutschen Humor handeln. Glaubt man der Ausstellung »Deutschland für Anfänger«, die seit dem 1. Juli im Auswärtigen Amt in Berlin zu sehen ist, werden uns Deutschen nicht nur derart platte Witze zugeschrieben, nein, man möchte die Welt glauben lassen, dass sich »Deutschsein« fröhlich durchbuchstabieren lässt. Wir beginnen mit A wie Arbeit, streifen G wie Gemütlichkeit, schreiben dem Q Querdenker zu und enden mit Z wie Zukunft. Dabei sei bitte nicht zu übersehen, dass das C für Currywurst, das D für die in Deutschland typische »Deutsche Sprache« und das H für Humor steht.

Hat uns König Fußball mit dem Sommermärchen 2006 zu einem bisher nahezu ungekannt unverkrampften Umgang mit unserer Schwarz-Rot-Goldenen Identität verholfen, transportiert »Deutschland für Anfänger« ein Bild über unsere Nation in die Welt, das – ja was eigentlich? Sagen wir mal, das krampfhaft bemüht locker daher kommt.

Grundsätzlich ja eine nette Idee, anlässlich des 60. Geburtstags der Bundesrepublik der Nation ein neues, zeitgemäßes Image mit Hilfe einer Wanderausstellung verpassen zu wollen. Aber mit welcher Methode wurde die Ausstellung konzipiert, und nach welchen Kriterien wurden die Exponate ausgewählt? Hätte nicht erst einmal gründlich analysiert werden sollen, welches Bild wir Deutschen im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit erzeugen, um dann mit geeigneten Massnahmen ein eventuell negatives Image zu korrigieren? Vielleicht wäre man dann zu ganz anderen, positiven Darstellungen gekommen. Dann stünde ein G für die vielgerühmte Grundlagenforschung, Q für Quantenphysik und D für Design.

Wenn nach allen Regeln deutscher Gründlichkeit gearbeitet worden wäre, dürften doch auch die typisch deutschen Umlaute nicht fehlen. Hoffentlich stünde dann dort nicht Ä für Ärztemangel, Ö für Ökosteuer und Ü für Überstunden.

P.S. Wer die Ausstellung »Deutschland für Anfänger« besuchen möchte, hier die Stationen: Noch bis 23. Juli in Berlin-Mitte, im Lichthof des Auswärtigen Amtes, am 2. August bei der internationalen Deutschlehrertagung in Jena – ist doch putzig – und dann u.a. in Nordamerika, China, Vietnam, Indien.

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